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Ab dem kommenden Geschäftsjahr müssen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern Nachhaltigkeitsberichte offenlegen. Foto: moxduul/iStock

Ab dem kommenden Geschäftsjahr müssen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern Nachhaltigkeitsberichte offenlegen. Die Berichte sollen zeigen, inwiefern ein Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung übernimmt. Damit hat der Bundestag nun die Corporate Social Responsibility (CSR)-Richtlinie der EU umgesetzt. Das Gesetz macht deutlich, dass Unternehmen zunehmend kritisch betrachtet werden und Kunden verstärkt auf die sozialen und ökologischen Aktivitäten der Betriebe achten. Doch Unternehmen sind der Gesetzgebung häufig voraus. So engagieren sich laut einer Umfrage der IW Consult im Auftrag der Bertelsmann Stiftung rund 87 Prozent der größeren Unternehmen im Bereich der Bildung. Zudem möchten 85 Prozent die Gesundheit ihrer Mitarbeiter stärken, 83 Prozent engagieren sich sozial und 80 Prozent der Betriebe setzen sich für die Umwelt ein. Die meisten arbeiten dafür mit gemeinnützigen und karitativen Organisationen oder anderen Unternehmen zusammen. Auch Hochschulen sind beliebte Partner.

Dennoch gibt es Entwicklungs- und Professionalisierungspotenzial – insbesondere bei der Messung und Bewertung des Engagements. Denn per Definition sollten die Maßnahmen in den Kernprozess des Unternehmens eingebunden und sozial, ökologisch und ökonomisch sinnvoll sein. Sie sollen also sowohl dem Betrieb als auch der Gesellschaft nutzen. Ein Diskussionspunkt bleibt zudem, wie weit die unternehmerische Verantwortung überhaupt gehen kann. Sollten Unternehmen auch für das Handeln von Vertragspartnern wie Zulieferern zur Rechenschaft gezogen werden? Wie weit geht die Freiwilligkeit der Maßnahmen, wann beginnt die Verpflichtung?

Das jetzt in Kraft getretene Gesetz wird vielleicht dazu führen, dass die Messungs- und Reportingstandards verbessert werden. Es wird aber nicht dabei helfen, ein einheitliches Verständnis von Unternehmensverantwortung zu entwickeln. Konflikte zwischen den Interessen verschiedener Anspruchsgruppen wie Mitarbeitern, Eigentümern oder Kunden lassen sich nur im Dialog, nicht aber durch einen Bericht auflösen.

IW policy paper

Theresa Eyerund / Marie Möller: Unternehmen im Spannungsfeld der Stakeholderansprüche – Möglichkeiten und Rahmenbedingungen für unternehmerische Mitverantwortung

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Discussion about Corporate Social Responsibility

  • Theresa Eyerund, Economist, Cologne Institute for Economic Research
  • Arne Lietz, Member of the European Parliament (S&D/SPD)
  • Moderator: Sandra Parthie, Head of Brussels Office, Cologne Institute for Economic Research

Ansprechpartner

IW policy paper
IW policy paper, 1. Dezember 2016

Theresa Eyerund / Marie Möller Unternehmen im Spannungsfeld der StakeholderansprücheArrow

Diese Publikation analysiert, wie private und staatliche Maßnahmen und Forderungen in Bezug auf das unternehmerische Engagement zu bewerten sind. Die Basis dafür bietet eine Analyse, wie sich Unternehmen im Spannungsfeld der Stakeholderinteressen engagieren können, in welchen Bereichen und in welchem Umfang sie das tun sollten und umsetzen und wie das Engagement innerhalb der Unternehmen organisiert und bewertet wird. mehr

Gesellschaftliche Herausforderungen
Pressemitteilung, 11. Mai 2016

Gesellschaftliche Herausforderungen Firmen übernehmen VerantwortungArrow

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat 600 Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern befragt, inwiefern sie sich für Flüchtlinge engagieren. Das Ergebnis: Dreiviertel der Firmen unterstützen Flüchtlinge aktiv – durch Spenden, Praktika, Arbeits- oder Ausbildungsplätze. Auch bei der Familienförderung übernehmen Firmen gesellschaftliche Verantwortung. mehr